20 Jahre TheaterKompagnieStuttgart

Flippiger Liebesreigen im Rap-Tonfall

(Markgräfler Tagblatt)

Erfrischend lebendig: die „Mittsommernachtskomödie“ der Theater Kompagnie Stuttgart in der Stadthalle

Klassiker modern: Shakespeares „Sommernachtstraum“ brachte die Theater Kompagnie Stuttgart in einer erfrischend lebendigen Inszenierung mit vielen Gags und sprachlich aufgemöbelt auf die Stadthallen-Bühne.

Was für ein Chaos! Hermia liebt Lysander, der hat aber ein Auge auf Helena geworfen, die ist aber hinter Demetrius her... Und Schuld an dem ganzen Liebesdebakel sind höhere Mächte und Zaubertröpfchen.

In der aufgepeppten Inszenierung von Cornelia und Christian Schlösser muss das junge Ensemble angehender Schauspieler nicht in einem altbackenen Märchenwald spielen; die poetische Ausstattung und die hippen Klamotten haben jugendlichen Touch. Und das klassische Versmaß wechselt in rotzfreche Jugendsprache.

Auch das Bühnenbild gab sich modern-minimalistisch, mit Spiegeln und weißen meterlangen Tüllbahnen, die als Dekoration, Vorhang, Raumteiler, Wald und Schlafgemach eingesetzt werden.

Helena, die hysterische Heulsuse (Miriam Jincharadze) stöckelt in hohen roten Pumps mit Louis Vuitton-Täschchen über die Bühne, zupft ihr kleines Gelbes zurecht. Warum sie ständig nur mit einem Schuh humpelt, das wissen nur die Elfen. Die sehen herzallerliebst aus, heißen zwar noch Senfsamen, Erbsenblüte und Spinnweb, ähneln aber eher einer stämmigen Bedienung beim Oktoberfest im Dirndl, einem mondänen Revuegirl der wilden 20er Jahre oder einer ausgeflippten Ballerina im Tüllröckchen.

Bei den jungen Männern sieht es nicht anders aus: Shirt und T-Shirt, geblümte und „herz“-ige Boxershorts trägt Lysander (Tobias Wagenblaß), Hermia (Chiara Albrich) Jeans und ein witziges zweideutiges T-Shirt, Demetrius (Lucijan Gudelj) zückt im Wald Taschenlampe und Handy.

Das verspricht schon mal keine schwere klassische Kost, sondern ein humorvolles, flippig aufgemotztes Verwechslungsspiel mit hohem Spaßfaktor. Bei der durchgeknallten Handwerkertruppe in Unterhemden und mit Bierkiste ist der Begriff Parodie fast untertrieben.

Was Schnock, Schlucker & Co mit Zettel (herausragend komisch: Semjon E. Dolmetsch) da aufführen, ist mehr als Komik - schon eine richtige Travestie mit Slapstick.

Der agile Puck von Dan Simion (in Lederhose mit Hosenträgern auf nacktem Oberkörper) brachte einen leichten Rap-Tonfall in seinen Shakespeare-Text.

Tragende Doppelrollen wurden umgemodelt: Aus der Amazonenkönigin Hippolyta wurde unversehens die Amazonenköniginmutter (Cornelia Schlösser), aus Theseus (Paul Elter, den man noch gut als Hamlet in Erinnerung hat), ihr Sohn. Da fällt natürlich die Hochzeit flach. Im Elfenreich waren die Familienverhältnisse entsprechend andere.

Neben vielen lustigen Szenen gefiel nach der Pause, wie Zettel (mit Schnuller und Windeln) in der Hängematte schaukelt, gar nicht wie ein Esel, sondern wie ein Hippie aussieht und „ein Tütchen süßes Gras“ verlangt. Und wie es beim Hahnenkampf der Youngster Backpfeifen, Ohrfeigen und Fußtritte setzt. In dieser Komödie ging es handfest zur Sache!

"Das Leben ist ein wandelnder Schatten nur;
Ein armer Spieler, der auf der Bühn' ein Stündchen prahlt und tobt
und dann nicht mehr gehört wird,
`s ist ein Märchen, erzählt von einem Narrn,
voll von Klang und Wut…"

"Macbeth" von William Shakespeare