Troerinnen

„Die Troerinnen“ - nach Euripides

Da stehen sie, Sieger und Verlierer, vor den Trümmern des geplünderten und gebrandschatzten Troja, doch eigentlich sind sie alle Opfer, die triumphierenden Griechen ebenso wie die in Lumpen gehüllten Frauen Trojas – Bosniens, Tschetscheniens, des Kosovo, nach langen, unbarmherzigen Schlachten gedemütigt: Als Sklavinnen und Kriegstrophäen werden sie unter die heimkehrenden Griechen verteilt. Die großen Drahtzieher bleiben im Hintergrund, sie demaskieren sich nur in einem Herold, der ihre Gräuel verkündet und vollstreckt. Walter Jens hat den antiken Stoff in eine zeitgemäße Sprache übertragen und verschafft so dem Publikum Zugang zu den Gedanken des Euripides, deren Kern heute so aktuell ist wie vor zweieinhalbtausend Jahren: Krieg spielt sich in Wirklichkeit nicht auf den Schlachtfeldern dieser Welt ab, sondern im Kopf jedes Einzelnen.